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Copyright 2018 - BHKP - Verein Bosnisch-herzegowinische Kulturplattform

Das Gastspiel des Stückes „Malo morgen“ ist die erste von vielen BHKP-Veranstaltungen im Jahr 2018

Mit mehrminütigen Ovationen und sichtlicher Rührung verabschiedete das Wiener Publikum die Darsteller des Stückes „Malo Morgen“ (dt. „Als ob“) in Koproduktion von Dis Teater und SLU Teater aus Banja Luka.

Die auf dem Kultstück „Biće, biće“ basierende Tragikomödie wurde in dieser Adaption in das Bosnien-Herzegowina von heute, in dem die einzige Perspektive die Migration in die „heiligen Länder“ des Westens zu sein scheint, verlagert. Genauso gut könnte das Stück aber auch in den anderen Balkanländern seinen Ursprung nehmen.

Zorica (Milana Domuzin) ist die jüngste von 5 Töchtern der alleinstehenden Nada (Sanela Kasalović). Unverheiratet und ohne Job ist sie die einzige noch im mütterlichen Haushalt verbliebene wo sie tagtäglich von der Eigenständigkeit und einem besseren Leben träumt. Auf der anderen Seite ist der einzige Traum ihrer Mutter sie endlich unter die Haube und somit aus dem Haushalt zu bekommen. So verabredet sie ohne Zorica einzuweihen eine Hochzeit mit Velija (Mirko Komljenović), einem Gastarbeiter aus Deutschland.

Zoricas naive Sicht auf das Leben im Westen und ein wenig auch Velijas Aussehen verleiten die junge Frau diesen „Heiratsantrag“ sofort anzunehmen, ihre Sachen zu packen und in das „gelobte Land“ aufzubrechen. Bei der Verabschiedung erhält sie von der Mutter noch die Botschaft, sollte sie ihrem Ehemann nicht mehr gut genug sein, so wird sie daheim auch keine offene Tür mehr vorfinden.

Das Leben in Deutschland stellt sich mit dieser Perspektive dann auch sehr schnell als riesengroße Enttäuschung dar: Das kleine Zimmer, welches mangels Arbeitsmöglichkeit für Zorica als ganze Welt herhalten muss, teilen die Frischvermählten mit Velijas Arbeitskollegen Jure (Sanela Kaselovic in einer Doppelrolle) aus Dalmatien. Ohne Möglichkeit zu Arbeiten ist Zorica somit auch in der Fremde mindestens genausoweit von einem besseren Leben entfern wie in der bosnischen Heimat. Den einzigen Hoffnungsschimmer stellt Velijas Versprechen da in einigen Jahren so viel Geld zu sparen um ein eigenes Haus in Bosnien zu errichten und dann ein Lotterleben zu führen.

Bedient sich das Stück anfangs noch vor allem humoristischer Elemente und bringt das Publikum fast durchgehend zum Lachen so verdunkelt sich die Stimmung zunehmends und führt in eine äußerst realistische und dadurch beklemmende Darstellung einer Horror-Ehe in der die Frau als Dienerin des rabiaten und mitunter auch gewalttätigen Ehemannes herhalten muss.

Trotz der fehlenden Unterstützung durch ein Theaterhaus, gelingt es dieser „Laientheatergruppe“ auf eindrucksvolle Weise und mit kleinen aber sehr effektvollen Bühnenmitteln den (Über-)Lebenskampf darzustellen.

Neben ihren hervorragenden KollegInnen sticht Milana Domuzin heraus und brilliert regelrecht in der Rolle der Zorica. Dabei bringt sie das Publikum auf äußerst beeindruckende Weise damit in Verbindung was Theater sein muss: Pure Emotion.

Vor vollem Haus in der Wiener Urania hat BHKP mit diesem Stück das Jahr 2018 eröffnet. Sichtlich gerührt durch die Darstellung gab der Vereinssekretär Kemal Smajic folgendes zu Protokoll: „Wir sind sehr glücklich und auch stolz über diese Kooperation und die Tatsache, dass trotzdem es sich hier um ein „Laientheater“ handelt das Interesse aber auch die Reaktionen des Publikums danach so gewaltig waren. Es freut uns sehr, dass wir in kurzer Zeit das Vertrauen des Publikums gewinnen aber auch gerechtfertigt haben und, dass die BesucherInnen auch heute mit der Programmauswahl zufrieden war. Ich bedanke mich an dieser Stelle bei den Darstellern und gratuliere Ihnen zum Erfolg. Ich hoffe sehr, dass dies der Startschuss für eine langjährige Zusammenarbeit ist. Dieses Stück ist der beste Beweis, dass mit Enthusiasmus und Hingabe auch ohne finanzielle Mittel Großes geleistet werden kann. Dieses Ensemble kann und muss ein Vorbild für die Jugend am Balkan sein.“

Bildergallerie von Ablin Melez